Symbiose in der Gemeinde –
3 praktische Schritte

Christian A. Schwarz

Symbiose ist – nach der Definition von "Webster’s Dictionary" – "das enge Zusammenleben zweier unterschiedlicher Organismen zum gegenseitigen Nutzen". In dieser Definition sind beide Elemente wichtig: (1) die "Unterschiedlichkeit" der beiden Organismen und (2) der "gegenseitige Nutzen". Wenn eines dieser beiden Elemente vernachlässigt wird, kann das Prinzip der Symbiose nicht seine Kraft entfalten.

In der aktuellen Managementliteratur wird dieses Prinzip gerne als "Win-Win-Beziehung" bezeichnet: Es soll keine Gewinner und Verlierer mehr geben, sondern bei allen Entscheidungen nur noch gemeinsame Gewinner. Was von manchen Managementtheoretikern wie eine revolutionäre Neuentdeckung gefeiert wird (und vielleicht ist es für so manchen Manager ja tatsächlich eine Neuheit), ist nichts anderes als das, was uns Jesus in der "Goldenen Regel" schon vor 2.000 Jahren beizubringen versucht hat. Er nannte es freilich weder "win-win" noch "Symbiose", sondern "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst".

Schritt 1: Vermeiden Sie sowohl Monokultur als auch Konkurrenz

Zu diesem Prinzip gibt es zwei Gegenmodelle: Konkurrenz und Monokultur. Das Konkurrenzmodell geht – wie der symbiotische Ansatz – ebenfalls von unterschiedlichen Organismen aus, aber diese fördern sich nicht gegenseitig, sondern fügen einander Schaden zu. Bei der Monokultur indessen – im Bereich von Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche nennt sich das Ganze "Monopolismus" – ist die Artenvielfalt verloren gegangen, nur noch ein Typ dominiert. Damit ist zwar jeglicher Konkurrenzkampf ausgeschaltet, gleichzeitig aber auch die für alles Lebendige so wichtigen symbiotischen Wechselwirkungen im Zusammenspiel der unterschiedlichen Arten.

Sie können dieses Prinzip auf alle Bereiche des gemeindlichen Lebens beziehen. Denken Sie nur an so unterschiedliche Themen wie "Ökumene", "Kleingruppen", "geistliche Gaben", "Frömmigkeitsrichtungen" und "interkulturelle Begegnungen". In allen diesen Bereichen lassen sich unschwer Christen ausfindig machen, die zu einer monopolistischen Sicht neigen und geistliche Einheit mit Uniformität verwechseln. Andere dagegen betonen Werte wie "Unabhängigkeit" und "Vielfalt" und enden im Konkurrenzkampf. Wenn wir Webster’s Definition anlegen, betont die eine Gruppe die erste Säule der Definition; die andere Gruppe betont die zweite Säule. Aber beide sind nicht in der Lage zu erkennen, dass die Kombination beider Ansätze der Schlüssel wäre.

Schritt 2: Lernen Sie Vielfalt schätzen

Als ich auf einer NCD-Konferenz in Japan über dieses Prinzip sprach, sagte mir einer der teilnehmenden Pastoren: "Sie haben in dem, was Sie sagten, absolut Recht. Leider sind Menschen so unterschiedlich. Als Leiter müssen wir das akzeptieren." Meine Entgegnung war: "Danke, dass Sie mir zustimmen, aber bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihnen nicht zustimmen kann. Menschen sind nicht leider so unterschiedlich, sondern sie sind es nach Gottes Plan. Und wir müssen diese Vielfalt nicht nur akzeptieren, sondern dankbar für sie sein, uns über sie freuen, sie feiern." Solange wir die unausweichliche Tatsache der Vielfalt lediglich "akzeptieren", während wir in unserem Herzen weiterhin von einer uniformistischen, monopolistischen Kirche träumen, sind wir noch weit davon entfernt, die Bedeutung eines symbiotischen Ansatzes zu verstehen.

Schritt 3: Vernetzen Sie unterschiedliche Ansätze, so dass sie voneinander profitieren

Unterschiedlichkeit an sich – die erste Säule in Webster’s Definition – führt uns nicht weiter. Die Herausforderung besteht darin, unterschiedliche Ansätze so zu vernetzen, dass alle Beteiligten davon profitieren. Schauen Sie sich noch einmal die eben erwähnten Themen an: Ökumene, Kleingruppen, geistliche Gaben, Frömmigkeitsrichtungen, interkulturelle Begegnungen. In jedem einzelnen Fall kann die Unterschiedlichkeit zu Kämpfen führen – und im Falle der interkulturellen Begegnungen sogar zu Kriegen –, wenn es nicht gelingt, die verschiedenen Ansätze aufeinander zu beziehen.

Es ist gewiss nicht einfach, dies erfolgreich zu tun – weder in der Politik noch in der Gemeinde. Aber das ist es, worum es in der Kunst der Leiterschaft geht. Ein wahrer Leiter ergreift nicht Partei für eine der konkurrierenden Gruppen, sondern hilft allen dabei zu erkennen, dass eine symbiotische Beziehung für jede Partei von Vorteil ist. In unserem NCD-Netzwerk ist es eine Frage des Überlebens geworden, inwieweit es uns gelingt, dieses Prinzip anzuwenden. Da die Kulturen, Stile und theologischen Überzeugungen der beteiligten Gruppen so extrem unterschiedlich sind, besteht ein erheblicher Teil unserer Arbeit darin, den Beteiligten zu zeigen, dass die Anwendung des Prinzips der Symbiose für alle von Vorteil ist.

Auszug aus: Christian A. Schwarz, Farbe bekennen mit Natürlicher Gemeindeentwicklung, 190 Seiten, ca. 180 farbige Abbildungen

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